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Halloween-Lesung: der kleine Tod

Besuch vom kleinen Tod

 

Lesungen sind für uns als Verlegerinnen ein "Mords-Spaß", weil wir da unseren Autoren gegenüber schon mal zum Event-Veranstalter pubertieren können. Eine Lesung darf bei uns ruhig ... ausgefallener sein.

 

Zu unserer Lesung der Kurzgeschichtenreihe "Irgendwo im Wald: Der kleine Tod" haben wir keine Kosten und Mühen gescheut, den Tod höchstpersönlich einzulad... 

Okay, erwischt. Wir haben ein Skelett aus dem Krematorium entwendet und uns heimlich Nachts über die Friedhofsmauer geschlichen, auf der Jagd nach einem passenden Umhang von so einem garstigen Kundenrest, wie der kleine Tod seine Klientenhüllen nennt. ;-)

 

Die Lesung fand am 29.10.2018 um 18:30 Uhr in dem beschaulichen germanischen Dorf Bernbeuren statt, irgendwo am Rande der Alpen. Ort des Verbrechens war die Bücherei, die Stunden zuvor in liebevoller Handarbeit auf das notwendige Ambiente mit Schauereffekt vorbereitet wurde. Schließlich ist unser kleines Sensiebelchen ... nun ja, schüchtern. Er hätte so gerne eine Frau, die ihm die Knochen sortiert und die kalten Füße massiert. Leider erbarmte sich unter den Damen im Publikum keine, diesen Job zu übernehmen. Zumeist, weil sie alle selbst lieber kuschelige Nestwärme bevorzugen, um ihre eigenen kalten Füße aufzutauen. Garstiges Frauenvolk, seufzte der Tod.

 

Unsere Verlagsinhaberin Andrea präsentierte die Kurzgeschichte einem gebannt lauschenden Publikum. Ein kleiner Tod, der nicht töten kann, weil er seine Kundenreste so grässlich findet. Vierzig Minuten lang herrschte Stille, die von Schmunzeln und Lachern der Satire unterbrochen wurde. Um dann ging das Licht aus, um das überraschende Ende der Geschichte in einem bildlichen Leuchtspektakel zu offenbaren. Darf's denn ein Nachschlag sein, fragte die Rednerin und erntete begeisterten Applaus. Zur Belohnung gab es die zweite Geschichte aus der Feder ihres Alter Egos Aila IDen zum Dessert. Die Szenen einer biblisch heißen Ehe aus Band zwei der Reihe, "irgendwo im Wald: der kleine Ehemann".

Nach zwei Stunden schwebte ein gut unterhaltenes Publikum beschwipst und zufrieden von sarkastischen Einblicken in zwei ernste Lebensthemen nach Hause. Und der kleine Tod? Der kehrte zu seinem Stammplatz in die Besenkammer der Schule zurück ... äh, zu seiner Halle der ewigen Seelen, ihr wisst schon. :-)

 

Vielen herzlichen Dank an Kathrin Zillenbiehler und ihrem Team von der Bücherei Bernbeuren für diesen wundervollen Abend.

 

Verfasst von Andrea R Walla